"Als nächstes wird der Staatsmann billige Lügen erfinden, die die Schuld der angegriffenen Nation zuschieben, und jeder Mensch wird glücklich sein über diese Täuschungen, die das Gewissen beruhigen. Er wird sie eingehend studieren und sich weigern, Argumente der anderen Seite zu prüfen. So wird er sich Schritt für Schritt selbst davon überzeugen, dass der Krieg gerecht ist und Gott dafür danken, dass er nach diesem Prozess grotesker Selbsttäuschung besser schlafen kann." Mark Twain - 'Der geheimnisvolle Fremde'

Donnerstag, 9. Juni 2011

Muammar al-Gaddaf

Im Krieg gegen den „irren Gaddafi-Clan“ greift die westliche Propaganda auf bewährte Muster zurück. Das berichtet Raphael-Maria Grünwald in der jüngsten Ausgabe des oppositionellen Monatsmagazins ‘Compact'.

Grünwald fügt hinzu: „Natürlich funktioniert das dann besonders gut, wenn der jeweilige Schurke gleich zum »Wiedergänger Hitlers« aufgeblasen wird.“ Der Braune Peter wurde an Slobodan Milosevic, Osama bin Laden, Mahmud Ahmadinedschad oder jetzt eben an Muammar al-Gaddafi weitergeschoben.

Beliebt sind nach Grünwald auch Zuschreibungen aus der klinischen Psychiatrie:

„Nach dem »Irren von Bagdad«, dem »Irren von Belgrad« und dem »Irren von Pjöngjang« tut sich aktuell die ‘Bild’-Zeitung mit Schlagzeilen wie »Das ist der irre Gaddafi-Clan« oder »Bereitet der irre Despot seine Flucht vor?« hervor.“

Die Alkoholfahrerin und Ex-Laienbischöfin Margot Käßmann betet nach: „Wir müssen die Libyer vor einem irrsinnig gewordenen Diktator schützen.

Auch bei dem deutschen Bundespräsident Christian Wulff stellt Grünwald „ferndiagnostischen Fähigkeiten“ fest. Wulff-Zitat: „Gaddafi ist ein Psychopath.“

Kriegspropaganda für gehobenere Kreise findet Grünwald in der deutschen Wochenzeitung ‘Welt’. Dort redet der deutsche US-Propagandist Richard Herzinger – statt vom „Wahnsinnigen“ – vom „Fantasten“ Gaddafi. Er sei ein „Massenmörder“, von dessen „Ästhetik der Westen fasziniert“ gewesen sei.

Die Aufladung der Greuelpropaganda mit Sexualphantasien ist nach Grünwald ein weiteres Element. Die schmutzigen Gedanken gingen von der US-amerikanischen UNO-Botschafterin Susan Rice (48) aus. Kichernd oder nicht behauptete sie, daß man den libyschen Regierungstruppen Viagra verteile. Viagra ist ein Arzneistoff, der für die Behandlung von Erektionsstörungen bei US-Männern entwickelt wurde. Frau Rice ist verheiratet.

Die Kölner Straßenzeitung ‘Express’ titelte: „Ghaddafi-Soldaten mit Viagra vollgepumpt.“

Das Schweizer Revolverblatt ‘Blick’ wußte noch mehr: „Gaddafis Schergen vergewaltigen Frauen und Kinder.“

Einzige Quelle der schlüpfrigen Geschichte ist ein angeblicher Arzt, dem die Propaganda den Namen Chalifa al Scharkassi (37) gab. Seine Glaubwürdigkeit hat niemand überprüft. Denn: „Sex sells – Zweifel können da nur stören“ – so Grünwald.

Der ‘Blick’ widerlegte die Behauptung gleich selber – und merkt es nicht einmal:

„In Bengasi, so der Arzt, seien mehr als hundert Frauen von den Soldaten des Regimes vergewaltigt worden – während ihre Männer an der Front kämpften.“

Was der ‘Blick’ nicht weiß: Bengasi ist seit Beginn des Bürgerkrieges die wichtigste Hochburg der Rebellen und mittlerweile Sitz ihrer Gegenregierung.


Quelle: kreuznet

Hoffen wir, dass die Schergen des Systems einmal zur Rechenschaft gezogen werden können. Wer, wenn nicht sie, giesst ständig Öl ins Feuer. Sie spielen mit den niedersten Instinkten des Menschen, nutzen seine Naivität und Unwissenheit aus, fachen seine Leidenschaften an und missbrauchen ihn zu Propagandazwecken. Wenn das System auffliegt, werden die Verantwortlichen vor das Kriegsverbrechertribunal gestellt; die Schreibtischtäter gehören dann ebenfalls auf die Anklagebank.

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